Ganzheitliche Ansätze bei Allergien
Datum: 17.02.2026 Autor: Dr. Svenja Maier
Ob Heuschnupfen im Frühjahr, juckende Hautreaktionen oder Beschwerden nach bestimmten Lebensmitteln: Immer mehr Menschen reagieren auf Stoffe, die für den Körper eigentlich harmlos sein sollten.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was Allergien aus medizinischer Sicht sind, welche Prozesse im Körper dabei ablaufen, warum Allergien entstehen können und wie sich der Körper ganzheitlich unterstützen lässt, um das Immunsystem wieder besser in Balance zu bringen.
Was sind Allergien?
Eine Allergie ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Umweltstoffe. Diese Stoffe werden als sogenannte Allergene bezeichnet und können zum Beispiel aus der Luft, aus der Nahrung oder über die Haut in den Körper gelangen.
Dabei bildet der Körper Antikörper der Klasse IgE (Immunglobulin E) gegen die Allergene. Der Erstkontakt läuft symptomlos ab - man spricht von einer Sensibilisierung. Dabei heften sich die gebildeten IgE-Antikörper an Mastzellen und basophile Granulozyten, zwei Zelltypen des Immunsystems, die vor allem im Gewebe vorkommen.
Kommt es später erneut zum Kontakt mit dem Allergen, bindet es an diese zellständigen Antikörper, wodurch es zur Ausschüttung von Histamin, Prostaglandinen und anderen Entzündungsbotenstoffen kommt. Dies führt zu den typischen Symptomen einer Allergie, etwa Juckreiz, Schwellungen, Rötungen oder eine vermehrte Schleimproduktion.
Häufig vorkommende Allergien
Allergien können sehr unterschiedliche Auslöser haben. Häufige Beispiele sind:
- Pollenallergien (z. B. Gräser, Hasel oder Birke)
- Nahrungsmittelallergien (z. B. Eier, Milch, verschiedene Nüsse oder Meeresfrüchte)
- Kontaktallergien (z. B. Nickel, Duftstoffe oder Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten oder Waschmitteln)
- Hausstaubmilben-Allergien, ausgelöst durch Bestandteile des Hausstaubs
- Tierhaarallergien, die meist durch bestimmte Eiweiße aus Hautschuppen oder dem Speichel der Tiere verursacht werden
So unterschiedlich die Auslöser auch sind, sie haben einen gemeinsamen Nenner: Die Schleimhäute und die Haut dienen als Kontaktfläche zwischen Körper und Umwelt. Sie übernehmen eine wichtige Schutzfunktion – und spielen bei der Entstehung und Ausprägung von Allergien eine zentrale Rolle.
Typische Symptome
Allergien werden häufig mit Niesen oder einer laufenden Nase in Verbindung gebracht. Tatsächlich können sie sich jedoch sehr unterschiedlich äußern und verschiedene Organsysteme betreffen:
- Atemwege: Niesen, verstopfte oder laufende Nase, Husten, Druckgefühl in den Nebenhöhlen, in schweren Fällen Atemnot
- Augen: Juckreiz, Rötung, Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit
- Haut: Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Ekzeme oder trockene, gereizte Haut
- Verdauung: Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit
- Systemische Symptome: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder ein allgemeines Krankheitsgefühl
In seltenen Fällen kann es zu einer schweren allergischen Sofortreaktion, dem sogenannten anaphylaktischen Schock, kommen. Dieser betrifft den gesamten Organismus und äußert sich unter anderem durch starke Kreislaufreaktionen, Atemnot, Blutdruckabfall und Bewusstseinsstörungen. Ein anaphylaktischer Schock ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Behandlung.
Welche Symptome auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist individuell sehr unterschiedlich. Sie hängen unter anderem von der Art der Allergie, der Intensität und Dauer des Kontakts mit dem Auslöser sowie vom allgemeinen Zustand des Immunsystems ab.
Warum entstehen Allergien?
Allergien entstehen in der Regel nicht durch einen einzelnen Auslöser. Vielmehr entwickeln sie sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die das Immunsystem langfristig aus dem Gleichgewicht bringen. In der Folge verliert die körpereigene Abwehr die Fähigkeit, zwischen harmlosen Umweltstoffen und tatsächlichen Gefahren zu unterscheiden.
Zu den Faktoren, die eine solche Fehlregulation des Immunsystems begünstigen können, zählen unter anderem:
- eine ungünstige, stark verarbeitete und ballaststoffarme Ernährung
- die wiederholte Einnahme von Antibiotika
- Mikronährstoffmängel
- Umweltgifte und Schadstoffe aus Luft, Wasser und Nahrung
- ein sehr hygienisches Umfeld mit wenig Kontakt zu natürlichen Umweltreizen
- chronischer Stress, Schlafmangel und Bewegungsmangel
- genetische Einflüsse
- frühe Prägungen, etwa durch Kaiserschnittgeburt oder fehlendes Stillen
Die genannten Faktoren können das Immunsystem auf vielfältige Weise beeinflussen. Ein zentraler gemeinsamer Schadmechanismus ist dabei die Beeinträchtigung der Darmgesundheit.
Die Schlüsselrolle des Darms bei Allergien
Der Darm spielt eine wichtige Rolle für eine gesunde Immunfunktion: Etwa 70 bis 80 Prozent der Immunzellen befinden sich in der Darmwand. Eine gesunde Darmflora und eine intakte Darmbarriere sind daher entscheidend für die Immunbalance.
Die nützlichen Darmbakterien bilden zahlreiche Stoffwechselprodukte, darunter kurzkettige Fettsäuren, Aminosäuren und Vitamine. Diese Substanzen versorgen die Darmschleimhaut mit Energie, stabilisieren die Barrierefunktion und wirken regulierend auf das Immunsystem. Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht – etwa durch Umweltschadstoffe, Antibiotika, chronischen Stress oder andere Faktoren aus dem vorigen Abschnitt –, nimmt die Bildung dieser schützenden Stoffe ab, während sich gleichzeitig ungünstige Keime vermehren können.
In der Folge kann die Darmschleimhaut geschädigt werden und ihre Schutzfunktion verlieren. Eine intakte Darmbarriere verhindert, dass unverdaute Nahrungsbestandteile, Krankheitserreger oder andere Fremdstoffe unkontrolliert in den Körper gelangen. Ist diese Barriere jedoch beeinträchtigt, kommt das Immunsystem vermehrt mit Substanzen in Kontakt, die es als potenzielle Bedrohung einstuft. Dies begünstigt überschießende Immunreaktionen und erhöht das Risiko für die Entstehung von Allergien und Autoimmunerkrankungen.
Über sogenannte Darm-Organ-Achsen steht der Darm zudem in engem Austausch mit anderen Geweben, etwa der Haut oder den Schleimhäuten der Atemwege. Veränderungen im Darm können sich daher auch an entfernten Körperstellen bemerkbar machen. Aus ganzheitlicher Sicht sollte bei Allergien – auch bei solchen, die auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zum Darm haben, wie etwa Heuschnupfen – stets die Darmgesundheit mit in den Blick genommen werden.
Ganzheitliche Therapiemaßnahmen
Ziel eines ganzheitlichen Umgangs mit Allergien ist es, das Immunsystem zu regulieren und wieder in ein ausgewogenes Gleichgewicht zu bringen. Eine wichtige Grundlage bildet die Optimierung von Ernährung und Lebensstil. Dazu zählen eine möglichst naturbelassene, nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, ein bewusster Umgang mit Stress sowie regelmäßige Bewegung. Ebenso sinnvoll ist es, die Belastung durch Umwelt- und Schadstoffe so weit wie möglich zu reduzieren.
Ergänzend können bestimmte Mikronährstoffe und pflanzliche Inhaltsstoffe dazu beitragen, die Darmgesundheit, die Schleimhäute und eine normale Immunfunktion zu unterstützen:
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Pro- und Präbiotika: Probiotika liefern ausgewählte Mikroorganismen, wie sie in einer gesunden Darmflora vorkommen. Präbiotika, also bestimmte Ballaststoffe, dienen diesen Bakterien als Nahrungsgrundlage und fördern ihre Vermehrung.
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Vitamin C: schützt vor oxidativem Stress und trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
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B-Vitamine: unterstützen den Energiestoffwechsel und sind wichtig für das Nervensystem sowie für die Gesundheit von Haut und Schleimhäuten.
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Vitamin D: trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
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Vitamin A: ist ein fettlösliches Vitamin, das zur Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute beiträgt und für eine normale Immunfunktion erforderlich ist.
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Zink: unterstützt zahlreiche Prozesse des Immunsystems, schützt Zellen vor oxidativem Stress und trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei.
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Quercetin: ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der in vielen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Zwiebeln oder Zitrusfrüchten vorkommt. Die Einnahme von Quercetin wird im Zusammenhang mit der Histaminfreisetzung diskutiert.

Autorin: Dr. Svenja Maier
Dr. Svenja Maier ist Tierärztin und Medizinjournalistin mit den Schwerpunkten funktionelle Medizin und Longevity Science. Ihr besonderes Anliegen ist es, komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich aufzubereiten und Brücken zwischen moderner Forschung und therapeutischer Praxis zu schlagen.